Verhalten belasteter passiver RC-Pässe
Eine passive RC-Schaltung kann als Hoch- oder Tiefpass-Filter genutzt werden. Beim RC-Hochpass liegt das Ausgangssignal parallel zum Widerstand und beim RC-Tiefpass parallel zum Kondensator. Die Kombination passend dimensionierter Hoch- und Tiefpass-Filter ergeben einen Bandpass oder eine Bandsperre. Die Berechnung der Grenzfrequenz und der Übertragungsfunktion gilt nur für einfache unbelastete Pass- oder Filterschaltung. In kombinierten Filterschaltungen belasten sich die Aus- und Eingänge der einfachen HP- oder TP-Glieder gegenseitig. Zur Berechnung der Eigenschaften sind entsprechend erweiterte Formeln notwendig. Nachfolgend werden die RC-Pässe nur mit Wirkwiderständen belastet. Die mathematischen Herleitungen gelten angepasst auch für RL-Pässe und kombinierte Schaltungen.
Grenzfrequenzversatz belasteter Tiefpässe
Wird ein passiver RC-Tiefpass am Ausgang mit einem Wirkwiderstand belastet, so nimmt mit zunehmender Belastung die Ausgangsamplitude ab und die Grenzfrequenz zeigt höhere Werte an. Die Dämpfung der Ausgangsamplitude bei Grenzfrequenz bleibt für den belasteten Pass 1. Ordnung mit −3 dB unverändert. Das Diagramm zeigt die Simulationsergebnisse der AC-Analyse für eine vorgegebene konstante 1 V Eingangsspannung. Der Frequenzbereich wird automatisch bis zur frei gewählten Endfrequenz durchlaufen.
Bei der jeweiligen Grenzfrequenz wurde die Ausgangsspannung gemessen und der kapazitive Blindwiderstand berechnet. Die Berechnung der Spannungsverstärkung in dB erfolgt mit: \[{V_u}\;[db] = 20\,\lg \frac{{{u_a}}}{{{u_e}}}\] Bei der Grenzfrequenz und dem Phasenwinkel |45°| müssen die Wirk- und Blindwiderstandswerte gleich sein. Es zeigt sich, dass auf das Signal bezogen R und RLast als Parallelschaltung wirksam sind: \[{R_{ers}} = \frac{{R \cdot {R_{Last}}}}{{R + {R_{Last}}}}\quad \quad {f_g} = \frac{1}{{2\,\pi \,{R_{ers}}\;C}}\]
| RLast/kΩ | fg/kHz | Xc/kΩ | ua/mV | ua/ue/dB | Rers/kΩ |
| - | 1,59 | 10,0 | 707 | -3,0 | - |
| 27 | 2,17 | 7,3 | 515 | -5,8 | 7,3 |
| 10 | 3,18 | 5,0 | 353 | -9,0 | 5,0 |
Ist der Widerstandswert der Signalquelle nicht vernachlässigbar, muss sein Wert zum Wert des Tiefpass R addiert werden. Je größer der Wert des Innenwiderstands bei unverändertem RLast ist, desto niedriger ist die Grenzfrequenz.
Übertragungsfunktion für einen belasteten RC-Tiefpass
Die Übertragungsfunktion wird mit komplexer Wechselstromrechnung erstellt. Der Innenwiderstand der Signalquelle ist vernachlässigbar niederohmig und hat praktisch keinen Einfluss. Der RC-Tiefpass ist mit einem Wirkwiderstand belastet und entspricht einer gemischten Reihen-Parallel-Schaltung. Die Ausgangsspannung liegt an der Parallelschaltung des Blindwiderstands mit dem Lastwiderstand. Für die Impedanz der Parallelschaltung gilt: \[\underline Z = \frac{{{R_{Last}} \cdot \frac{1}{{j\,\omega \,C}}}}{{{R_{Last}} + \frac{1}{{j\,\omega \,C}}}} = \frac{1}{{\frac{1}{{{R_{Last}}}} + j\,\omega \,C}}\quad (1)\] Die Übertragungsfunktion ist das Verhältnis der Ausgangsspannung an Z zur Eingangsspannung an der Reihenschaltung des Wirkwiderstands R und Z liegt. Bei einer passiven Schaltung ist die Ausgangsspannung nie größer als die Eingangsspannung. Zum einfachen Vergleich unterschiedlich dimensionierter Schaltungen wird die Übertragungsfunktion auf die Ausgangsspannung normiert. Sie wird dazu mit dem Kehrwert des Zählers erweitert: \[\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}} = \frac{{\underline Z }}{{R + \underline Z }} = \frac{1}{{1 + \frac{R}{{\underline Z }}}}\] Z aus Gl.(1) einsetzen und umformen ergibt eine normierte Übertragungsfunktion mit noch imaginärem Nennerausdruck: \[\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}} = \frac{1}{{1 + R\left( {\frac{1}{{{R_{Last}}}} + j\,\omega \,C} \right)}} = \frac{1}{{1 + \frac{R}{{{R_{Last}}}} + j\,\omega \,R\,C}}\] Der Nennerausdruck wird auf einen Hauptnenner gebracht, die Gleichung konjugiert komplex erweitert und in die Real- und Imaginärkomponente getrennt geschrieben: \[\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}} = \frac{{\frac{{R + {R_{Last}}}}{{{R_{Last}}}}}}{{{{\left( {\frac{{R + {R_{Last}}}}{{{R_{Last}}}}} \right)}^2} + {{(\omega \,R\,C)}^2}}} - j\,\frac{{\omega \,R\,C\,}}{{{{\left( {\frac{{R + {R_{Last}}}}{{{R_{Last}}}}} \right)}^2} + {{(\omega \,R\,C)}^2}}}\quad (2)\] Die Grenzwertbetrachtung bestätigen die Tiefpasseigenschaften: \[\omega \to 0\quad \left| {\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}}} \right| \to \frac{{{R_{Last}}}}{{R + {R_{Last}}}}\quad {R_{Last}} \gg R\quad \left| {\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}}} \right| \to 1\] \[\omega \to \infty \quad {\left| {\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}}} \right|_{{\mathop{\rm Re}\nolimits} }} \to 0\quad {\left| {\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}}} \right|_{{\mathop{\rm Im}\nolimits} }} \to 0\quad \Rightarrow \left| {\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}}} \right| \to 0\] Die Abhängigkeit des Phasenwinkels von der Frequenz errechnet sich aus dem Arcustangens des Quotienten der Imaginär- zur Realkomponente. Das negative Vorzeichen zeigt, dass es sich um einen Tiefpass handelt: \[\varphi (\omega ) = - \arctan \left( {\frac{{\omega \,R\,C}}{{\frac{{R + {R_{Last}}}}{{{R_{Last}}}}}}} \right) = - \arctan \left( {\frac{{R\,{R_{last}}}}{{R + {R_{Last}}}}\omega \,C} \right)\] Bei der Grenzfrequenz beträgt der Absolutwert des Phasenwinkels immer |φ| = 45°. Aus dem Argument der Winkelfunktion kann die Grenzfrequenzformel für den belasteten Tiefpass hergeleitet werden: \[\varphi (\omega ) = \left| {{{45}^o}} \right| = \arctan (1)\quad \Rightarrow \quad \frac{{R\,{R_{last}}}}{{R + {R_{Last}}}}\omega \,C = 1\] \[{R_{ers}} = \frac{{R\,{R_{last}}}}{{R + {R_{Last}}}}\quad \Rightarrow \quad {f_g} = \frac{1}{{2\,\pi \,{R_{ers}}\,C}}\] Das Ergebnis entspricht der am Anfang hergeleiteten Formel mit dem gleichen Rers.
Grenzfrequenzversatz belasteter Hochpässe
Beim passiven RC-Hochpass haben der Innenwiderstand der Signalquelle und eine Ausgangslast Einfluss auf die Grenzfrequenz und das Übertragungsverhalten. Wird der Innenwiderstand der Signalquelle in die Rückleitung gezeichnet, so ist deutlich zu erkennen, dass er mit der Ausgangsparallelschaltung R || RLast eine Reihenschaltung bildet. Der Ersatzwiderstand zur Berechnung der neuen Grenzfrequenz ist dann die Addition der beiden Teilwiderstandswerte: \[{R_{ers}} = {R_i} + \frac{{R\,{R_{Last}}}}{{R + {R_{Last}}}}\quad \quad {f_g} = \frac{1}{{2\,\pi \,{R_{ers}}\,C}}\] Der Einfluss des Innenwiderstands kann vernachlässigt werden, wenn sein Wert klein im Vergleich zum Wert des RC-Ausgangswiderstands ist. Die Simulationsergebnisse zeigen, dass mit zunehmender Belastung die Grenzfrequenz in den höheren Bereich verschoben wird. Ist der Innenwiderstand der Quelle nicht zu vernachlässigen, dann liegen bei unveränderter Ausgangsbelastung die Grenzfrequenzen etwas niedriger.
Übertragungsfunktion für einen belasteten RC-Hochpass
Der HP-Widerstand R wird durch den Wirkwiderstand RLast belastet. An dieser Parallelschaltung liegt die Ausgangsspannung. Der Innenwiderstand Ri der Quelle liegt dazu in Reihe.
Für diesen RC-Hochpass wird die normierte Übertragungsfunktion aufgestellt: \[{R_p} = \frac{{R\,{R_{Last}}}}{{R\, + {R_{Last}}}}\quad \quad {\underline X _C} = \frac{1}{{j\,\omega \,C}} = - \frac{j}{{\omega \,C}}\] \[\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}} = \frac{{{R_p}}}{{({R_i} + {R_p}) - \frac{j}{{\omega \,C}}}} = \frac{1}{{\frac{{{R_i} + {R_p}}}{{{R_p}}} - j\frac{1}{{\omega \,{R_p}\,C}}}}\] Durch konjugiert komplexe Erweiterung wird der Nenner real. Die Übertragungsfunktion kann in die Real- und Imaginärkomponente getrennt geschrieben werden: \[\frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}} = \frac{{\frac{{R{}_i + {R_p}}}{{{R_p}}}}}{{{{\left( {\frac{{R{}_i + {R_p}}}{{{R_p}}}} \right)}^2} + {{\left( {\frac{1}{{\omega \,{R_p}\,C}}} \right)}^2}}} + j\frac{{\frac{1}{{\omega \,{R_p}\,C}}}}{{{{\left( {\frac{{R{}_i + {R_p}}}{{{R_p}}}} \right)}^2} + {{\left( {\frac{1}{{\omega \,{R_p}\,C}}} \right)}^2}}}\]
Für die Grenzwertbetrachtung mit ω → 0 strebt der Nenner der Realkomponente gegen (∞2) und somit die Realkomponente gegen null. Bei der Imaginärkomponente strebt der Zähler gegen unendlich und der Nenner gegen (∞2). Formal kann gekürzt werden und mit (1/∞) strebt die Imaginärkomponente gegen null. Für das andere Extrem mit ω → ∞ strebt die Imaginärkomponente gegen null. Für die Realkomponente gilt: \[\omega \to \infty \quad \Rightarrow \frac{1}{{\omega \,{R_p}\,C}} \to 0\quad \Rightarrow \frac{{{{\underline u }_a}}}{{{{\underline u }_e}}} \to \frac{{{R_p}}}{{{R_i} + {R_p}}}\]
Die Abhängigkeit des Phasenwinkels errechnet sich mit dem Arcustangens aus dem Quotienten der Imaginär- zur Realkomponente: \[\varphi (\omega ) = \arctan \left( {\frac{{\frac{1}{{\omega \,{R_p}\,C}}}}{{\frac{{{R_i} + {R_p}}}{{{R_p}}}}}} \right) = \frac{1}{{({R_i} + {R_p})\,\omega \,C}}\] \[\varphi (\omega ) = \arctan \frac{1}{{\left( {{R_i} + \frac{{R\,{R_{Last}}}}{{R + {R_{Last}}}}} \right)\omega \,C}}\] Da es sich um einen Hochpass handelt ist das Vorzeichen positiv. Die Grenzfrequenz bei φ = 45° berechnet sich mit: \[{f_g} = \frac{1}{{2\,\pi \left( {{R_i} + \frac{{R\,{R_{Last}}}}{{R + {R_{Last}}}}} \right)C}}\] Die weiter oben ermittelten Simulationsergebnisse können mit dieser Formeln bestätigt werden.
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